Ausgabe 17 vom Juli 2004
Umspurung – Chance für die Region oder Ende der MzB?

Viel wurde nach dem Bekannt werden der Umspurungspläne diskutiert. Viele sehen darin den Untergang des Abendlandes und das Ende der MzB. Vor allem die Teilung der Strecke und das damit erforderliche Umsteigen werden vielfach kritisiert. Doch niemand hat sich bisher um die Chancen nicht nur für die Bahn, sondern auch und vor allem um die Chancen der Region an der Bahn Gedanken gemacht. Dabei könnte die Region entlang der MzB sehr von einer Umspurung profitieren.

Beginnen wir am Ausgangspunkt der MzB, in St. Pölten. Hier eröffnen sich ganz neue Perspektiven, vor allem dann, wenn man die normalspurige Strecke nicht über Nadelbach, sondern auf einem anderen Weg ins Pielachtal führt. Zunächst benützt man noch ein Stück der Leobersdorfer Bahn. Nach der Haltestelle Porschestraße zweigt unsere Strecke ab, steigt an und mündet in einem scharfen Rechtsbogen in die Güterzugumfahrung ein. Durch den Pummersdorfer Tunnel gelangt sie schließlich ins Pielachtal, wo eine Neutrassierung in der Ebene bis Ober Grafendorf sicher kein Problem darstellt. Für die Reisenden bedeutet dies das problemlose Erreichen des Südens der Landeshauptstadt, verbunden mit guten Umsteigemöglichkeiten zu den innerstädtischen Buslinien. Die Schüler hingegen haben von der Haltestelle Porschestraße nicht weit ins Gymnasium, woraus sich eine beträchtliche Verkürzung der Reisezeit ergibt. Gleichzeitig ergibt sich durch die neue Streckenführung auch eine Verminderung der reinen Fahrzeit. Möglicherweise könnte man auf diese Weise auch den Bau der Güterzugumfahrung, der zwar begonnen, dann jedoch auf Jahre hinaus verschoben wurde, wieder in Gang bringen.

Ein Neubau der Werkstätten ist ein absolutes Muss, da die derzeitigen Anlagen im Prinzip noch aus der Kaiserzeit stammen und dementsprechend veraltet sind. Lediglich die Wartungshalle für den 4090 wurde neu gebaut, liegt aber auf dem Gelände der ÖBB-Hauptwerkstätte St. Pölten und damit einigermaßen abgelegen. Wenn man nun aber ohnehin eine neue Werkstätte baut, kann man sie auch gleich in jenem Bereich der Strecke errichten, der auch weiterhin schmalspurig befahren wird. Auf diese Weise werden Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Weitere Arbeitsplätze entstehen durch die Errichtung von Dienstsitzen für Triebfahrzeugführer und Zugbegleiter in Kirchberg, Laubenbachmühle oder auch in St. Sebastian. Daraus ergibt sich eine nicht unbeträchtliche Wertschöpfung für die Region.

Am meisten würde von einer Umspurung aber zweifellos Kirchberg an der Pielach profitieren. Der Tourismus könnte einen beträchtlichen Aufschwung erfahren. Hier beginnt die Schmalspurbahn. Die Gäste reisen an, übernachten, essen und trinken und fahren schließlich mit der MzB. Diese braucht von Kirchberg nach St. Sebastian eineinhalb Stunden. Es wird ja immer wieder argumentiert, dass die gesamte Fahrzeit von St. Pölten nach St. Sebastian zu lange ist, wenn wir auch aus Erfahrung wissen, dass dem nicht so ist. Aber die eineinhalb Stunden werden vielfach als ideale Fahrzeit für eine Erlebnisreise angesehen, warum sollte man also diese Chance nicht nützen? Gleichzeitig ist Kirchberg aber auch Endstation für Normalspurzüge, zum Beispiel aus Wien. Damit wird der Ort als Urlaubsziel für alle, die mit der Bahn anreisen, attraktiv.

Aber auch von den Durchreisenden könnte der Ort profitieren. Wir haben schon des Öfteren auf den früher üblichen Verpflegshalt hingewiesen. Wenn man nun umsteigen muss, kauft sich sicher der eine oder andere eine Kleinigkeit zu essen und etwas zu trinken. Oder anders herum, wenn man schon aussteigt, um sich zu verpflegen, so kann man auch gleich in einen anderen Zug umsteigen. Und möglicherweise entschließen sich ja auch einige Fahrgäste dazu, die Fahrt zu unterbrechen, sich den Ort anzusehen und mit einem späteren Zug weiterzufahren. Abgesehen von den hier zu erzielenden Einnahmen kann man ja möglicherweise auch den einen oder anderen zukünftigen Urlaubsgast werben. Und nicht zuletzt könnte auch das Modellbahnmuseum profitieren und zusätzliche Besucher lukrieren.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, welche Rolle die Krumpe nach einer Umspurung spielen wird. Nun, wenn man es will, sicherlich eine wichtige. Diese Strecke eignet sich hervorragend als Erlebnisbahn. Einerseits kann sie, zusammen mit dem Heizhaus in Ober Grafendorf, ein lebendiges Schmalspurmuseum werden. Da es ja von Wieselburg auch nicht weit nach Kienberg-Gaming ist, finden sich sicherlich zahlreiche Eisenbahnfreunde, die den Besuch bei beiden Bahnen miteinander verbinden. Zusätzlich zu den Nostalgiezügen bietet sich die Führung von Touristikzügen an, sei es in Form des Stainzer Flascherlzuges mit Speis und Trank im Zug, sei es als Westernzug. Findige Tourismusmanager finden sicher noch weitere Möglichkeiten, die Strecke zu vermarkten.

Faktum ist, dass bald etwas geschehen muss, darüber sind sich wohl alle einig. Lange wird man sicher nicht mehr einfach weiterwursteln können.

Eine Kommission ist nun bereits dabei, die möglichen Szenarien für eine erfolgreiche Zukunft der MzB zu erarbeiten. Ob dabei die Umspurung ein ernsthaftes Thema in den weiteren Überlegungen bildet, wird die Arbeit dieser Experten zeigen. Falsch wäre es allerdings, einer Entscheidung durch Polemik vorgreifen zu wollen und die positiven Aspekte dieses Konzepts einfach zu ignorieren.

Wünschen wir also, dass die Verantwortlichen die richtige Entscheidung für eine erfolgreiche Zukunft unserer MzB treffen mögen!
Martin


Busbetrieb

Seit dem Zusammenschluss mit dem Postbus gibt es noch größere Bemühungen seitens der ÖBB, die werten Fahrgäste in die Busse zu drängen. Krasse Fälle findet man im Internet unter fahrplan.oebb.at zu jeder Regionalbahn.

Es ist zum Haare raufen!

Jeder kennt die vielfachen Bemühungen, das Streckennetz der Post– und Bahnbusse auf lukrative Umläufe zu reduzieren. Und trotzdem glauben viele Gemeindevertreter weiterhin den Schalmeientönen über die ach so vielen Vorzüge des Busbetriebes, wie z.B. mehrere Halte im Ortskern. Sie vergessen dabei ein wichtiges Faktum:
Je mehr Halte, umso länger die Fahrzeit, womit der Bus für den Pendler nicht mehr wirklich interessant ist.
Krass: Erst ist die Bahn weg, dann wird der Busbetrieb ausgedünnt, es trifft ja eh nur die sozial Schwachen. Oder die Touristen. Ach ja, und für die Schüler gibt es dann ein eigenes Busangebot, koste es, was es wolle.
Ronny


Lebendig unter Leichen

Es ist schon frappierend!

Da gibt es eine Bahn, die seit Jahren dem Untergang geweiht ist. Diese Bahn lebt und wie sie lebt!

Und es gibt so viele Bahnen in der Umgebung, die wesentlich bessere Voraussetzungen hätten, die ringen mit dem Tod oder wurden bereits eingestellt.

Beginnen wir mit der Leobersdorferbahn, deren Gleise in St. Pölten direkt neben denen der MzB liegen. Diese Bahn fährt durch eine uralte Industrieregion, die wesentlich dichter besiedelt ist. Sie hat an beiden Enden Anschluss an eine der Hauptverbindungen im Osten von Österreichs. Ergebnis: Die Züge sind ab St. Pölten (dank parallel verkehrender Buslinien) meistens nicht so voll wie die der MzB und so wird schlicht nur eingestellt: 1988 Kernhof, 2001 Türnitz, in Freiland gibt es keinen Halt mehr und nun die geplante Einstellung der Strecke über den Gerichtsberg.

Weiter im Uhrzeigersinn. Ganz vergessen ist die heute eingestellte Strecke Mürzzuschlag–Neuberg, die nur 16 km von Kernhof entfernt endete.

Die nächste im Reigen ist die Thörlerbahn, bei deren Rettung ein Eisenbahnverein in den Konkurs ging und wo heute die Gemeinden fröhlich einen Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse errichten.

Nur 40 km Luftlinie von Mariazell entfernt, wurde die Erzbergbahn langsam, aber sicher eingestellt: 1988 Krumpenthal–Vordernberg Markt, 1999 Einstellung des Personenverkehrs zwischen Hieflau und Eisenerz, 2001 dann die Einstellung der ÖBB-Strecke zwischen Vordernberg und Leoben. Ein kleiner Rest wird heute durch einen Nostalgieverein betreut.

Wir sind bei der Ybbstalbahn gelandet, wo bereits 1988 die Bergstrecke Lunz–Kienberg-Gaming eingestellt wurde (heute Museumsbetrieb) und nun ist der Planverkehr auf der Strecke Hollenstein–Lunz schwer gefährdet.

Auch das Streckennetz der MzB wird immer kleiner: 1988 Einstellung der Strecke nach Gußwerk, 1998 Umspurung der Strecke Wieselburg–Gresten, danach keine Wiederaufnahme des Personenverkehrs, 2000 Einstellung Ruprechtshofen–Wieselburg, dann Mank–Ruprechtshofen und nun wird ganz offen über die Einstellung Ober-Grafendorf–Mank gesprochen.

Von St. Pölten 20 km Luftlinie Richtung Norden gibt es eine Bahn, der mein spezielles Interesse gilt: Die Donauuferbahn Krems–Emmersdorf (Melk)–Persenbeug. Wenn ich mir heute mit meinem Wissen eine Strecke zur Betreuung aussuchen könnte, ich würde die Bahn durch die Wachau wählen! Doch nicht einmal bei dieser Strecke sind die ÖBB im Stande, ausreichend Fahrgäste zu lukrieren und bieten im Sommerfahrplan wochentags gerademal vier Zugpaare über die Gesamtstrecke an, am Sonntag sind es nur noch drei. Im Winter gibt es schließlich nur noch ein Erinnerungs-Zugpaar.

Zusammenfassung:
Die Umspurung der MzB im Bereich der Talstrecke mag eine Chance sein, die Verantwortlichen sind uns aber eine Antwort schuldig, wie es dann weitergehen soll. Üblicher Vorgang: Es wird in eine Strecke investiert und dann wird – weil ja die Abschreibungskosten dieser Strecke aufgebrummt werden und diese nicht verdient werden können – eingestellt.

Wir bitten um eine Antwort!
Ronny

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