| Feedback... ...zu einem Artikel ist eine großartige Sache! Man erfährt, dass tatsächlich jemand liest, was man so zum Besten gibt und, was vielleicht noch wichtiger ist, sich auch seine eigenen Gedanken zum Thema macht. Unser Mitglied Erich Hafner hat sich, von meinen Ausführungen zum Problemthema Tourismus und Eisenbahnfreunde angeregt, so seine Gedanken gemacht, wo die Konfliktpunkte liegen könnten. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass die Probleme vor allem dann auftreten, wenn es zu Reibungen zwischen Alltag und inszeniertem Spektakel kommt. Umso mehr ein Grund, warum wir das Erlebnis im Alltäglichen suchen, die gesellige Gruppenreise im Planzug dem inszenierten "Event" vorziehen! Herbert |
| Das Bauchweh-Wort, Folge 2 Gedanken zum Artikel in Ausgabe 15 |
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Wieso kann das Wort Tourismus im Zusammenhang mit Lokalbahnen Bauchweh unter Eisenbahnfreunden verursachen? Auf den ersten Blick ruft diese Frage nur Verwunderung hervor, denn alle Lokalbahnen hatten von Anfang an eine touristische Funktion. So konnten viele Regionen erst durch die Lokalbahn zu einem touristischen Ziel für die Stadtbevölkerung werden. Die Mariazellerbahn hat sogar, wie erwähnt, als Pilgerbahn ihr Entstehen zu einem großen Teil dem Tourismus zu verdanken. Meinem Empfinden nach entspringt so manches Unbehagen beim Wort "Tourismus-Bahn" der schlichten Tatsache, dass so vollkommen unterschiedliche Bahnstrecken bzw. Bahnbetriebe wie die Gotthardbahn, die Arlbergbahn, die Rhätische Bahn, die Zillertalbahn, die Mariazellerbahn, die Achenseebahn, die Waldviertler Schmalspurbahnen, die Taurachbahn, die Liliputbahn im Wiener Prater oder die Spektakelbahn der Pullman-City mit dem Begriff "Tourismus-Bahn" umschrieben werden können. Wird nun eine "verstärkte touristische Orientierung" einer Bahnstrecke angekündigt, so entstehen die verschiedensten Vorstellungen, wie so etwas aussehen könnte. Denn die touristischen Verkehrsbedürfnisse und Anforderungen an eine Bahn sind sehr unterschiedlich und teilweise sogar gegensätzlich: |
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| einfach nur Transport von A nach B: rasch und pünktlich | |
| Transport von A nach B mit speziellen Kapazitäten, wie Fahrrad, Schi / Snowboard, Gepäck, Reisegruppen, Verpflegung, Aussichtswagen (auch Freiluft) usw. | |
| Transport zu einem touristischen Erlebnispunkt, der vielleicht nur mit der Bahn erreichbar ist. | |
| Bahnfahrt als komfortables "Durch-die-Landschaft-Gleiten": erholsamer, ruhespendender Ausgleich zum Alltagsstress, "der Weg ist das Ziel"; Paradebeispiel: Glacier-Express | |
| Bahnfahrt als gesellschaftliches Ereignis: Feste, Betriebsausflüge etc. | |
| Bahnfahrt als nostalgisches Technikerlebnis: Dampfbetrieb, Museumsbahnen | |
| Bahnfahrt als nostalgisches Komforterlebnis: spartanische, rüttelnde Holzbänke in 2ax-Wagen oder Nostalgie-Luxus-Züge | |
| Bahnfahrt als Hobbyeisenbahner-Ereignis: Hobby-Lokführerkurse/fahrten | |
| Bahnfahrt als exklusives Motiv zum Fotografieren | |
| Lokalbahn als Zubringer zu Veranstaltungen | |
| Eisenbahn als zusätzlicher "Action"-Faktor von touristischen Veranstaltungen: z. B. Zugüberfall in Westernmanier | |
| Bei der Konzipierung von touristischen Angeboten stellt sich die Frage, ob eine Tourismusbahn mit dem
Planbetrieb eines öffentlichen Verkehrsmittels oder mit Sonderzügen beworben werden soll. Sonderverkehr ist
einzeln betrachtet teurer, kann aber optimal auf eine ganz bestimmte Zielgruppe zugeschnitten und damit entsprechend
ausgelastet werden. Planbetrieb findet ohnehin statt, kann daher kostengünstiger vermarktet werden, allerdings
mit einem gewissen Konfliktpotenzial der verschiedenen Mobilitätsinteressen der Fahrgäste des
Planzuges. Am besten lässt sich das gesamte touristische Potenzial mit einem dichten Planbetrieb und ergänzenden Nostalgiefahrten oder Events für Eisenbahnfreunden ausnützen. Beispiele wie die Rhätische Bahn oder die Zillertalbahn zeigen es vor. Allerdings ist auf vielen Lokalbahnen ein Stundentakt-Planverkehr schwer finanzierbar, und dann ist Fingerspitzengefühl gefragt, um möglichst viele der verschiedenen Kundenbedürfnisse unter einen Hut zu bringen und dadurch ein gutes betriebwirtschaftliches Ergebnis zu erzielen. Wichtig erscheint mir eine klare Trennung von touristischen Reiseangeboten und touristischen "Event/Spektakel"-Formen im bzw. mit dem Zug, um Konflikte durch Zwangsbeglückung zu vermeiden. Denn ein Zugüberfall wird schwer mit dem ruhespendenden "Durch-die-Landschaft-Gleiten" kombinierbar sein. Und eine Mariazellerbahn im soliden Planbetrieb mit flexiblen touristischen Reiseangeboten, garniert mit Sonderzug-Veranstaltungen, wird als Tourismus-Bahn nur wohlige Wärme in der Magengegend der Eisenbahnfreunde bewirken. Erich Hafner |
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