| Schienenersatzverkehr auf der Krumpe |
| Seit geraumer Zeit wiederholt sich fast täglich das gleiche Ritual, nämlich die Führung einiger
Züge der Relation St. Pölten – Mank im Schienenersatzverkehr. Ja, man kann fast schon fix annehmen, dass das
p. t. Reisepublikum mit dem Autobus befördert wird. An Wochenenden wird der Schienenersatzverkehr mit schönen
Plakaten angekündigt, während der Woche hingegen warten immer wieder Fahrgäste auf einen Zug, der nicht
fährt. Hin und wieder gibt es in St. Pölten sogar eine diesbezügliche Lautsprecherdurchsage, doch
verlassen darf man sich darauf freilich nicht. Aber warum kommt es eigentlich so häufig zum Schienenersatzverkehr? Der Grund liegt im Mangel an Triebwagen der Reihe 5090 begründet, doch so einfach ist die Sache nicht. In St. Pölten sind derzeit fünf Triebwagen dieser Reihe vorhanden, die jedoch alle planmäßig benötigt werden. Zwar ist der Verkehr nach Mank bei weitem nicht so stark, dass die Fahrzeuge ausgehen könnten, jedoch werden sie auf der Hauptstrecke nach Mariazell eingesetzt. Wenn nun ein Triebwagen ausfällt, ist eine Ersatzstellung erforderlich. Logisch wäre nun eine Führung mit Lok und Klassen, und zwar nicht nach Mank, sondern nach Mariazell. Auch der verstärkte Einsatz des 4090 wäre problemlos möglich. Allerdings kann weder ein lokbespannter Zug noch der 4090 nur mit dem Triebfahrzeugführer allein verkehren. Alle diese Züge benötigen zusätzlich einen Zugbegleiter, während der 5090 nur mit einem Bundesbahner besetzt werden muss. Doch halt! Auf der Bergstrecke ist das Fahren nur mit dem Triebfahrzeugführer alleine bei Doppeltriebwagen nicht gestattet, man benötigt also trotzdem wieder einen zweiten Bediensteten. Trotzdem fährt man auch weiterhin mit dem 5090 nach Mariazell und mit dem Bus nach Mank. Aber schließlich braucht man ja auch am Wochenende eine Beschäftigung für den Bundesbus und seine Lenker. Doch nochmals halt! Im Schienenersatzverkehr wird keineswegs ein Bundesbus eingesetzt, sondern private Busse von ortsansässigen Busunternehmen. Liegt vielleicht hier der Grund versteckt, dass die Region entlang der Zweigstrecke sich noch nicht gegen die Demontage ihrer Bahn eingesetzt hat? Liegt vielleicht hier der Grund, warum es noch keinen Aufschrei in den regionalen Medien gegeben hat? Wir haben bereits öfters auf die Tatsache hingewiesen, dass am Niedergang einer Bahnstrecke zu 80 Prozent die Region schuld ist und nur zu 20 Prozent der Betreiber. Aber wenn man es sich so recht überlegt, ist ja der Schienenersatzverkehr ein zusätzlicher Verdienst, eine zusätzliche Wertschöpfung in der Region. So gesehen kommt der Mangel an Triebwagen wahrlich nicht ungelegen. Da braucht man sich dann auch nicht mehr zu wundern, wenn das Aufnahmsgebäude von Mank trotz bestehenden Vorkaufsrechts seitens der Gemeinde an eine Privatperson verkauft wird. Anscheinend hat man sich damit abgefunden, dass die Krumpe über kurz oder lang tot ist und auch in den Überlegungen zur Umspurung nicht mehr vorkommt. Wir haben schon des öfteren auf die mögliche Bedeutung der Krumpe und deren Chancen hingewiesen. Wenn die Region allerdings nicht um den Bestand der Bahn kämpft und deren Niedergang möglicherweise mit Wohlwollen gesehen wird, darf man sich nicht wundern, wenn die Krumpe bald das selbe Schicksal wie die Thörlerbahn erleiden wird. Ach ja, am Alpenbahnhof gibt es immer noch einen Wegweiser zur Strecke St. Pölten–Gresten... Martin |