Seit den frühen Tagen der Photografie nutzt man die Lichtempfindlichkeit von Silberkristallen, aus deren
Größe leitet sich die Filmempfindlichkeit, aber auch die Schärfe des Films ab.
Je größer diese Kristalle sind, umso weniger Licht ist für die Schwärzung während der
Belichtung bzw. Entwicklung nötig, d.h. um so lichtempfindlicher (schneller) ist der Film. Durch
größere Kristalle werden allerdings die Fotos körniger und es entsteht ein Detailverlust.
So steht man immer vor der Qual der Wahl, ob man einen hochempfindlichen Film nimmt, mit dem man auch bei schlechten
Lichtverhältnissen ohne Stative noch fotografieren oder schnelle Bewegungen einfrieren kann oder einen
feinkörnigen Film wählt, der ein detailreicheres Bild liefert.
Diese Filmempfindlichkeit wird in ASA bzw. DIN gemessen und als ISO-Wert auf den Filmpatronen angegeben, wobei die
erste Zahl den ASA-Wert, die zweite den DIN Wert angibt. Als Standardfilm gilt der ISO 100/21°, ein Film mit der
doppelten Empfindlichkeit wird mit ISO 200/24° bezeichnet, eine nochmalige Verdoppelung ergibt einen ISO
400/27°.
| Filmbezeichnung | Filmempfindlichkeit |
| Geringempfindliche Filme | ISO 25/15° bis ISO 64/19° |
| Mittelempfindliche Filme | ISO 100/21° bis ISO 200/24° |
| Hochempfindliche Filme | höher als ISO 400/27° |
|
Wie schon erwähnt, weist ein höher empfindlicher Film eine größere Körnigkeit
auf, welche eine detailärmere Darstellung verursacht. Unsere Motive, zumeist ein fahrender Zug in der Landschaft,
benötigt nun beide Eigenschaften - schneller Film und eine hohe Detailwidergabe. Eine Landschaftsaufnahme lebt
von der Brillanz, welche nur mit feinkörnige Filme zu erreichen ist, der fahrende Zug verlangt jedoch nach kurzen
Belichtungszeiten.
Glücklicherweise ist im Zuge der technischen Weiterentwicklung die Qualität des Filmmaterials so gestiegen,
dass man ohne schlechtes Gewissen einen Film mit einer Filmempfindlichkeit von ISO 400/27° empfehlen kann, denn
diese Filme sind heute bereits ausreichend feinkörnig, um hochwertige Abzüge im Format 20 / 30 auch vom
Kleinbild-Negativ oder -Dia zu ermöglichen.
Sollte man vielleicht ohnehin nicht allzu hochwerte Objektive zur Verfügung haben, wird die Bildqualität
bereits durch das Objektiv begrenzt und nicht mehr durch den Film.
Filmübersicht
Farbe oder Schwarzweiß
Weniger ist oft mehr. Diesen Leitsatz könnte man auch hier anwenden. Schwarzweißaufnahmen bewirken
gegenüber dem Farbfilm in der Regel eine wesentlich höhere Dramatik. Bei Schwarzweiß ist starkes
Sonnenlicht von Vorteil, da diese Aufnahmen vom Kontrast leben.
Farbaufnahmen im grellen Sonnenlicht sind dagegen schon schwieriger mit einem befriedigenden Ergebnis zu realisieren
(mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben).
Die eigentliche Stärke von Schwarzweiß ist, dass man relativ leicht selbst Abzüge anfertigen kann.
Diese haben den Vorteil, dass man das Ergebnis selbst genau bestimmen und somit der eigenen Kreativität freien
Lauf lassen kann. Aber Achtung, Schwarzweißfilme und -abzüge sind teuerer als Farbfilme und -abzüge.
Heute besteht auch die Möglichkeit, auf digitalem Weg Farbfotos nachträglich in Schwarzweiß zu
verwandeln.
Konfektionierung
Kleinbildnegativfilm wird in Patronen mit 12, 24 und 36 Aufnahmen angeboten. Es sind auf jedenfalls die Filme mit
36 Aufnahmen zu empfehlen.
Einerseits aus Kostengründen, wie überall gilt auch hier, dass kleinere Gebinde mehr kosten. Die Kosten
für das Entwickeln eines Filmes mit 12 Aufnahmen kostet gleich viel wie für 36.
Filme mit 36 Aufnahmen müssen weniger oft gewechselt werden. Nichts ist unangenehmer, wenn man gerade im
entscheidenden Augenblick zum Filmwechseln beginnen muss.
APS-Filme werden mit 15, 25 und 40 Aufnahmen angeboten.
Im Profibereich wird Film auch als Meterware vertrieben, der jedoch dann selbst in einer Dunkelkammer in Filmpatronen
eingespult werden muss.
Im Mittelformat ist die gängige Größe das so genannte 120-Format, mit dem im Format 6x6 12 Aufnahmen
möglich sind.
Dia oder Negativfilm
Die Entscheidung zwischen Dia und Negativ hängt vom gewünschten Endprodukt ab.
Dias können mittels eines Projektors an eine Leinwand projiziert werden, sicher die eindrucksvollste Art, seine
Bilder zu präsentieren. Heute lassen sich auch von Dias qualitativ akzeptable Papierbilder anfertigen. Es ist
jedoch zu achten, dass ein Diafilm einen wesentlich geringeren Kontrastumfang (Differenz hellster Punkt, dunkelster
Punk) als ein Negativfilm aufweist, was oft die Qualität der Abzüge negativ beeinflusst.
Da der Weg vom Negativ zum Papierbild (Entwicklung und Ausarbeitung im Labor) verglichen zum Dia (braucht nur mehr
entwickelt werden) größer ist, ist die letztendliche Qualität des Abzuges zu einen gutem Stück
vom Fotolabor abhängig.
Zusatz: Professional Filme:
Filme haben die Eigenschaft, nach ihrer Herstellung einen "Reifungsprozess" zu durchlaufen, in dessen Verlauf
sich verschiedene Filmeigenschaften verändern. Von Hersteller wird ein Haltbarkeitsdatum angegeben, nach dessen
Ablauf der Film deutlich abweichende Eigenschaften zeigt.
Das Material der wesentlich teueren Professional-Filme unterscheidet sich nicht von den "Nicht-Professional"
- Filmen, nur ist bei diesen der Reifungsgrad genau definiert, was zu einer absolut gleichmäßigen (aber
nicht in jeden Fall höheren) Qualität führt, dieses Feature ist jedoch nur im absoluten Profi - Bereich
notwendig.
Farbtemperatur
(Tageslichtfilme - Kunstlichtfilme)
Aufnahmen von Eisenbahnen und Landschaften erfolgen in der Regel nur unter Tageslicht, daher sind hierfür
ausschließlich Tageslichtfilme brauchbar.
Deshalb nur ein paar Zeilen zur allgemeinen Verständlichkeit:
Ein weißes Blatt Papier ist für das menschliche Auge im Tageslicht oder gelbroten Glühlampenlicht immer
weiß, unser Auge "bügelt" kleine Farbunterschiede einfach weg. Im Gegensatz dazu bildet ein
Farbfilm jeden Farbstich originalgetreu ab. Beim Farbfilm müsste daher die Farbtemperatur immer auf die jeweilige
Lichtquelle angepasst werden. Blitzlichtgeräte sind so gebaut, dass sie ein mit dem Sonnenlicht vergleichbares
Licht abgeben, deshalb werden bei Blitzlichtaufnahmen bei Verwendung von normalen Tageslichtfilmen die Farben ohne
Farbstich wiedergegeben. Da sich jedoch die Farbtemperatur des Tageslichtes von morgens bis abends verändert,
kann man beobachten, dass in den Morgenstunden ein bläuliches Licht vorhanden ist, das sich bis zum Abend in ein
rötliches umfärbt.
Auch Kunstlichtfilme können nicht bei jeder künstlichen Beleuchtung für das Auge richtige Farben
darstellen. Sie liefern diese lediglich bei einer Farbtemperatur von 3200°K, das dem Licht von speziellen
Fotolampen entspricht.
Digitaler Film
Digitale Kameras verwenden zum Speichern der von einem elektronischen Bildchip gewonnen Bilddaten Speicherkarten,
derzeit in sechs verschiedenen Bautypen, wobei gerade hier durch die technische Entwicklung laufend neue Lösungen
hinzukommen, wobei moderne Kameras zumindest bereits die Auswahl zwischen mehreren Speicherkarten zulassen.
Jedes Speicherkartensystem hat seine Vor und Nachteile. Die Art des Speichermedium sollte aber den Kamerakauf nicht
allzu sehr beeinflussen. Hier ist auf jeden Fall eine gute Beratung eines Fachhändlers zu empfehlen.
Ausarbeitung
Neben der Ausarbeitung von Bilder vom klassischen Negativfilm wie auch vom Dia (siehe bereits oben) können heute
von den Labors bereits auch digitale Fotos auf Papier ausbelichtet werden. Bei den digitalen Fotos ist für die
gewünschte Papiergröße auf die notwendige Bildpixelanzahl zu achten. Die Ausarbeitungen vom Dia oder
von digitalen Fotos ist jedoch meist teurer als vom Negativ.
Die Labors bieten glänzende und matte Oberflächen für Fotos an. Die glänzenden Oberflächen
haben sich als allgemeiner Standart durchgesetzt. Diese haben jedoch den Nachteil, dass bei Berührungen der
Oberfläche mit den Fingern sofort hässliche Fingerabdrücke zurückbleiben. Diese
Fingerabdrücke sind nachträglich nicht mehr zu beseitigen. Für Fotos, welche nicht sofort in ein Album
eingeklebt werden oder durch eine Hülle geschützt werden wäre somit eher eine matte Oberfläche zu
empfehlen. Auch bei Vergrößerungen, die in Rahmen mit Glasoberfläche aufgehängt werden, treten bei
glänzender Oberfläche verstärkt Spiegelungen auf, auch hier wäre eine matte Oberfläche zu
empfehlen.
Für digitale Fotos stehen heute schon verschiedenste Fotodrucker zur Verfügung. Solche Ausdrucke sind auf dem
ersten Blick nicht mehr von Fotolaborabzügen zu unterscheiden. Ausdrucke sind jedoch noch immer teurer und weniger
langlebig als Laborfotos.
Der nächste Teil wird sich der richtigen Belichtung widmen.
Harald Meidl |