Ausgabe 10 vom August 2002
Wer soll mit der MzB reisen? (aktualisierter Nachdruck)
Zielgruppen im Tourismus
Wenn wir uns in dieser Ausgabe wieder mit dem touristischen Umfeld beschäftigen, darf ein Blick auf die möglichen Zielgruppen nicht fehlen.

Eisenbahnfreunde
Der klassische Eisenbahnfreund kennt die MzB bereits, samt ihren Stärken und Schwächen. Diese Gruppe ist eher eine Zielgruppe für eine Mitgliedschaft in unserem Freundeskreis, als eine Zielgruppe für den Tourismus, denn wahre Eisenbahnfreunde stecken ihr Geld in das Reisen zu ihren Lieblingsstrecken und konsumieren eher wenig, Nächtigungen sind hier nur selten lukrierbar. Dazu kommt, dass diese Gruppe im Normalfall die Normalspur (ev. auch den modernen Betrieb, Stichwort Taurus) bevorzugt, d.h. Schmalspur - Eisenbahnfreunde sind eine relativ kleine Zielgruppe. Wir sollten uns nicht durch die vielen Schmalspur-Eisenbahnvereine täuschen lassen, diese entstanden aus technischen Gründen, weil eben mehr Schmalspurbahnen aufgelassen wurden und vielleicht auch die technische Betreuung einer Schmalspur-Bummelstrecke einfacher ist. Diese Gruppe ist noch dazu zu trennen in Freunde, die aktiv mitarbeiten wollen (und zumeist bereits bei einem Verein Mitglied sind) und jene, die nur die verschiedenen Strecken bereisen oder fotografieren.

Nostalgiefreunde
Ähnliches gilt für die Nostalgiefreunde im klassischen Sinne, nimmt man hier den Bereich Eisenbahn heraus, überwiegen zum einen die Freunde der Normalspur, zum anderen die des Dampfbetriebes. Diese mögliche Zielgruppe ist nun ebenfalls in Aktive und Passive zu trennen. Auf der MzB wird diese Zielgruppe von ÖBB Erlebnisbahn / Club Mh.6 erfolgreich betreut.

Reisende zu/ab einem Ziel
Hier haben wir nun die erste echte Zielgruppe vor uns. Mariazell, eh klar, aber auch der Bereich des Naturparks Ötscher - Tormäuer und die Ötschergräben sind ein beliebtes Wandergebiet, fernab touristischer Massenangebote.
Derzeit wird dieser Bereich vom Betreiber nicht besonders betreut und die touristische Infrastruktur fehlt weitgehend oder ist indiskutabel. Im Besonderen darf auf die vielen Reisenden zwischen Wienerbruck und Erlaufklause verwiesen werden, die bekannterweise eher vertrieben als betreut werden.
Die MzB wäre unter anderem ein ideales Schlechtwetterangebot für Gäste von St. Pölten und dem Pielachtal (aber auch Wien), ein idealer Zubringer für den Wintersport oder zum Erlaufsee. Aber auch die Gegenrichtung ist interessant, die Landeshauptstadt St. Pölten als Ziel der Urlauber des Mariazellerlandes.

Erlebnis - Reisende
Die MzB ist unbestritten eine der schönsten Bahnstrecken in Europa, d.h. die Reise an sich begeistert immer wieder, diese Zielgruppe wird derzeit fast nicht beworben. Hier wird zumeist an eine Fahrt St. Pölten - Mariazell gedacht, es geht aber auch anders. Wird die Fahrt erst ab dem Pielachtal begonnen, könnte das Frühstück und das Abendessen (ev. der Mostheurige) in der Region serviert werden.
Es wird hier immer der Einwand vorgebracht (auch in der Region), dass der Zustand der Waggons dem entgegensteht, dies ist ein "Schlechtreden", werden einige kleine Tricks beherzigt (wie max. 3 Personen auf einem Sitzviereck, entspannte Betreuung während der Fahrt), ist die Fahrt für alle ein großes Vergnügen.
Diese Zielgruppe war und ist unser Hauptansatzpunkt.

Gruppenreisen
Der Bereich der Betriebsausflüge und Seniorenfahrten (ideale Entfernung ab Wien) wird von der Region entlang der Strecke ebenfalls fast nicht beworben. Diese Gruppenreisen werden vom jeweiligen Veranstalter zumeist selbst organisiert, Unterstützung aus der Region gibt es für diese Veranstalter kaum. Trotzdem waren die letzten Jahre von vielen dieser Gruppenreisen geprägt.
Hier fehlt in NÖ eindeutig das touristische Angebot, um für Veranstalter überhaupt in Erwägung gezogen zu werden. Nur zur Klarstellung: es fehlen nicht die Voraussetzungen, sondern es fehlt Informationsmaterial und das buchbare Paket!

Fußwallfahrt
Die klassischen Wallfahrtsrouten führen durch NÖ, allerdings nicht entlang der Strecke! Die Rückreise erfolgt doch sehr oft mit der MzB, allerdings führt die Fahrt dann zumeist schnurstracks nach St. Pölten und es wird keine Wertschöpfung im Bereich der Strecke lukriert.
Dazu kommt natürlich, dass die "Einteiler" bei den ÖBB offensichtlich immer nur an die Richtung St. Pölten - Mariazell denken, dass mehr Reisende ab Mariazell fahren wird oft vergessen und so verärgert / vertreibt man diese Zielgruppe.

Zusammenfassung
Die oft erwähnten Millionen Touristen sind durchaus erreichbar, aber nicht prompt. Zielgruppenorientiertes Marketing kann bereits heute beginnen und zeitigt auch Erfolge, was zu beweisen war!
Ronny

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