| Im Wohnzimmer über den Berninapass von Marco Caluori, ehem. Leiter Marketing bei der Rhätischen Bahn. Der vollständige Artikel ist im Web nachzulesen. Das Bild zeigte den Schnellzug St. Moritz – Chur mit Ge 4/4 III auf Landwasserviadukt, Foto: Stefan Dringenberg, 22.07.96 und stammt von den Seiten von Railinfo CH zur Rhätischen Bahn |
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| Über Mitfahrer, die nach jeder Kurve die Videokamera hochreissen, mit dem Finger am Fenster
auf Berggipfel tippen oder mit kratzigen Kehllauten romanische Ortsnamen auf Züritüütsch hervorpressen,
wundern sich Einheimische schon lange nicht mehr: Touristen! Die fahren nur zum Spaß mit der RhB. Kaum bekannt in Graubünden ist hingegen, wieviele es inzwischen schon sind: Über sechs Millionen kurven alljährlich über die gewundenen Strecken Gebirgsbahn. Während sich Marketingstrategen und Werber seit Jahren bemühen, Graubünden mit dem Slogan "Ferienecke der Schweiz" als Markennamen bekannt zu machen, sind "Glacier Express" und "Bernina Express" weltweit schon längst bekannte Zugpferde des Schweizer Tourismus. Nur Bündnerinnen und Bündner, die mit der RhB meist nur fahren, um rasch ans Ziel zu gelangen, staunen deshalb noch, wenn sie erfahren, dass "ihre" Bahn 85 Prozent der Erträge des Personenverkehrs von Touristen einnimmt. Für die Rhätische Bahn ist dies allerdings kein Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. Trotz einmaliger Streckenführung und atemberaubender Bergwelt braucht auch die RhB zusätzliche Attraktionen. Die schöne Natur alleine reicht leider nicht mehr. Damit locken auch andere Ferienziele. Und die Gäste werden immer erlebnishungriger, wenn sie dem Alltag in Schwammendingen oder Brunsbüttel entfliehen. Will die RhB die Spitzenergebnisse anfangs der neunziger Jahre wieder erreichen, muss sie nicht nur ihre treuen Stammgäste halten, sondern vor allem neue Kunden gewinnen: Die Lustvollen und Extrovertierten, die auch einen Zacken Progressivität erwarten, die Jungen und Schrägen, die gerne dort sind, wo etwas läuft, und die Ausländer, die über "the Swiss mountain railway" staunen möchten. Im Image und Angebotsbereich der RhB ist deshalb ein Gleiswechsel angesagt. Neupositionierung, wie das auf Marketing – Neudeutsch heißt, und das Schlagwort dazu lautet: touristische Erlebnisbahn. Mit Schlagworten gewinnt man aber keine Gäste. Eine neue Marketingstrategie ist rasch erfunden, farbigere Prospekte sind bald gedruckt. Um im hart umkämpften Tourismusmarkt zu bestehen, braucht es jedoch mehr. Die RhB muss auch tun, was sie verspricht. Die Eröffnung der Vereinalinie war für die RhB der Startschuss, bestehende Angebote erlebnisreicher zu gestalten und einmalige neu zu erfinden. Das Faszinierende, die Inhalte sind für die Attraktivität der Bündner Bahn künftig wichtiger als die technisch modernste Bahnanlage. |
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