Ausgabe 9 vom April 2002
628.015 vor dem Zugspitzmassiv, Herbert Rubarth
628.015 vor dem markanten Zugspitzmassiv von Herbert Rubarth


[ Hinweis von Ronny:
Die erfolgereiche Initiative zur Außerfernbahn ist unter www.erlebnisbahn.at/ausserfernbahn/ auf diesem Server präsent ]
Verkehrsinitiativen & Marketing
Am 1. März gab es in Salzburg ein Treffen von Verkehrsinitiativen mit hochrangigen Vertretern der ÖBB.
Dieses "Marketing - Workshop", organisiert von Mag. Peter Haibach von der "Plattform der Verkehrsinitiativen im Zentralraum Salzburg", wurde durch das schwere Unglück auf der Pottendorfer Linie überschattet, trotzdem gab es sehr konzentrierte Gespräche in den fünf Arbeitsgruppen Produktmarketing, Kommunikation & Werbung, Fahrgastinformation, Tarifgestaltung und Regionalbahnen.

Auch wenn sich vielleicht so mancher Teilnehmer mehr und vielleicht auch prompt umsetzbare Ergebnisse erwartet hat, für uns war es schon ein Erfolg, dass zum Thema Regionalbahnen überhaupt eine eigene Arbeitsgruppe möglich war.
Das Fazit bei den Regionalbahnen war nüchtern, diese vielen Bahnen sind so unterschiedlich, dass erfolgreiche Marketing Überlegungen aus der Region an der Strecke kommen müssen (war wirklich allgemeiner Tenor, nicht nur das Credo unseres Obmann).

Damit sind wir (chronologisch nicht ganz richtig) bei der Außerfernbahn gelandet. Hier wurde vor nicht allzu langer Zeit fast 20-köpfigen Marketingbeirat gegründet, Teilnehmer sind Kommunalpolitiker der bayerischen und österreichischen Seite, die Wirtschaftskammer Tirol, der grenzüberschreitende Zusammenschluss EUREGIO Zugspitze - Wetterstein - Karwendel, Gewerbebetriebe, Tourismusverbände sowie die Landkreise Ober- und Ostallgäu, die Bezirkshauptmannschaft Reutte, Vertreter der Deutschen Bahn und des Fahrgastverbandes PRO BAHN.

Nicht das wir hier eine dröge Aufzählung bringen wollten, wir wollen nur zeigen, welche breite Beteiligung möglich, ja vielmehr: unbedingt notwendig ist.

Das Ergebnis ist bekannt: Die von den ÖBB "weggeworfene" Außerfernbahn wird nun von der Deutschen DB Regio betrieben und siehe da, auf einmal steigen die Fahrgastzahlen und das durchaus in einem beachtlichen Ausmaß. Bei einem Symposium in Wien zeigten sich die Teilnehmer:
Rolf Bickelhaupt FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu;
Bezirkshauptmann Dr. Dietmar Schennach, Reutte;
Andreas Offenborn, FAHRGAST Österreich;
Dipl.-Ing- Otfried Knoll, NÖVOG
und Karl Zöchmeister, Leiter ÖBB PV überzeugt, dass Regionalbahnen in der Zukunft nur durch Partnerschaften mit der jeweiligen Region bestehen können!

Immer wieder kamen auch die Spezialangebote der DB wie das Bayern – Ticket oder das Schönes Wochenende - Ticket zur Sprache, speziell weil diese Angebote nun auch auf dem Tiroler Abschnitt der Außerfernbahn gelten und dies als ein maßgeblichen Faktor für die Fahrgaststeigerungen angesehen wird. Einmalig ist weiters bei der Außerfernbahn, dass es zusätzlich für Inhaber der ÖBB – VorteilsCard möglich ist, bis nach Kempten und somit rund 34 Kilometer nach Deutschland zu reisen.

Für uns sind beide Veranstaltungen eine weitere Bestätigung, dass mit harter, zielgerichteter Arbeit durchaus etwas bewegt werden kann, beim Betreiber, aber auch am Markt.

Chancenausnutzung
Wie sieht eigentlich die Situation aus, wenn wir mit unseren Befürchtungen auf Seite 4 unrecht haben?

Es gibt also noch vor dem Sommer 2002 eine Einigung über die weitere Zukunft der MzB, der Planbetrieb auf der Gesamtstrecke der MzB wird vertraglich gesichert und diese Einigung hat auch Bestand, wie geht es weiter?

Der neue Vorstand der ÖBB widmet sich nun zwar wieder intensiver dem Personenverkehr, diese Überlegungen tangieren aber die Nebenbahnen und die touristische Entwicklung - speziell die in der Region entlang der MzB - nur rudimentär.

Damit haben wir wieder eine Situation wie im Jahre 1998, die Standbeine bleiben der Pendlerverkehr auf der Talstrecke und der Touristikverkehr auf der Gesamtstrecke. Zunächst werden dann vielleicht neue Triebwagen für den Pendlerverkehr ausgeschrieben und vielleicht auch einmal bestellt und geliefert.

Aber was geschieht im Tourismusverkehr, was geschieht auf der Bergstrecke?

Wir in Österreich neigen halt ein wenig zur Behäbigkeit und freuen uns bereits über kleine Erfolge. Alles recht, aber wenn wir für die MzB etwas erreichen wollen, wird der Jubel über 20.000 Fahrgäste nicht recht viel nützen, wenn andere Touristik – Bahnen trotz sechs Millionen Fahrgästen Überlegungen anstellen, wie neuer Schwung in ihr Marketing kommen kann (siehe Seite 7).

Ich habe mir während der Festreden vor dem wunderschönen Panoramic 760 so meine Gedanken gemacht. In den Reden die Selbstzufriedenenheit "Ja, wir werden uns weiterhin für die MzB einsetzen" der lokalen Würdenträger und der laufende Hinweis der ÖBB auf Privatunternehmertum, Kostenwahrheit und so weiter, das alles kennen wir bereits zur Genüge.

Verdammt noch mal, da gibt es mit dem Panoramic 760 einen Zug, um den uns andere Strecken beneiden und der fährt 20, 30 oder vielleicht sogar 50 mal im Jahr. Warum fährt dieser Zug nicht täglichen zumindest einen Umlauf?

Was haben die Entscheidungsträger in der Region in den Jahren seit dem Vortrag "Pfiffiger Schmalspurbahntourismus am Beispiel der Schweiz" unternommen, damit dieser Zug jeden Tag voll eingesetzt werden kann? Wo sind die konkreten Pläne, wo sind die gesetzten Marketingmaßnahmen?

Wer übernimmt die Verantwortung, dass der erste Panoramic 760 Touristik (also mit 1099 bespannt) der Saison nicht beworben wurde und daher am 28. April (fast) leer durch die Gegend fuhr?
Warum konnten an vielen ÖBB – Schaltern keine Fahrkarten für den Sonderzug am 1. Mai gekauft werden?
Warum wurde – unlängst in Wien – bei einer Präsentation des Mariazeller Landes die MzB überhaupt nicht erwähnt?

Mein Fazit weiterhin: Am Niedergang der MzB in den letzten Jahrzehnten ist nur zu 30% der Betreiber schuld, zu 70% aber die Region an der Strecke!

Alle warten wie gebannt auf eine Entscheidung, auf die Politik, auf den Bund, auf das Land, auf einen neuen Betreiber, einer auf den anderen und alle auf das Christkind. Sind dann die Chancen da, wie z.B. jetzt die EU – Förderschiene Leader+, dann wird nicht oder nur sehr zögerlich gehandelt. Nein, es wird auf einmal wieder Grundlagenforschung betrieben, bei Adam und Eva begonnen.

Ich appelliere darum weiterhin, nicht im alten Trott weiter zu wurschteln, ein wenig Nostalgie, ein wenig Erlebnis – Ticket und eine Prise Advent sind zu wenig. Die MzB braucht endlich professionelles Marketing, wenn nicht mit den ÖBB, dann halt ohne! Es wurde bereits zuviel Zeit mit Kinkerlitzchen vertrödelt.

Vielleicht kann die Region entlang der MzB die Verschnaufpause nutzen und sich schön langsam an größere Brötchen wagen. Wenn schon unsere Erfolge nichts wert sind, nun hat auch das Außerfern bewiesen, dass relativ schnell viel bewegt werden kann, man muss sich nur trauen!
Ronny

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