Ausgabe 7 vom September 2001
Wenn gleich zwei eine Reise tun ...
Mit dieser Fahrt gibt es ein Novum in unserer Zeitschrift: Die selbe Fahrt von 2 Autoren beschrieben!
Wie es dazu kam: Ich bat Martin Geyer um einen Artikel zu dieser interessanten Fahrt und ersuchte Harald Meidl, diesen gegenzulesen. Dies wiederum animierte Harald zu einem eigenen Artikel zu dieser Fahrt.
Zu dieser Fahrt gibt es von den beiden Fotografen auch viele schöne Bilder und weil aus drucktechnischen Gründen keine reine Fotoseiten möglich sind, fanden beide Artikel (leicht gekürzt) Platz in dieser Ausgabe
Ronny
Martin Geyer

ErlebnisBahn - wie eine Dampfzugfahrt zum BahnErlebnis wird
Am 15. August veranstaltete die ÖBB Erlebnisbahn eine Fotofahrt mit Dampflok nach Mariazell. Nun, wie wir alle wissen, lassen sich auch Nicht – Dampfzüge bei einem entsprechenden Angebot füllen, da ich aber in den letzten beiden Jahren sicher mehr als zehnmal elektrisch, aber noch nie mit Dampf nach Mariazell fuhr und außerdem seit kurzem zu den Fotografen gehöre, wollte ich mir diese Fahrt nicht entgehen lassen.

Die Fahrt begann in St. Pölten mit verwirrten Fahrgästen, die nicht wußten, dass der Sonderzug erst ab Ober Grafendorf verkehrte, und diesen daher am Hauptbahnhof suchten. Erst nach Anfragen mehrerer Personen in der Fahrdienstleitung bequemte man sich zu einer entsprechenden Durchsage, wonach bis Ober Grafendorf der Planzug 6807 zu benützen sei.

In Ober Grafendorf angekommen, mußten die etwa 100 Fahrgäste, darunter auch einige Freunde der MzB, noch einige Minuten warten, ehe die Garnitur aufgestellt wurde. Einige Fahrgäste waren überrascht, daß anstelle der ursprünglich angekündigten Mh 6 die 298.56 des Clubs 760 auftauchte. Diese Bespannung war zwar im Internet angekündigt, aber selbst die Eisenbahner an der MzB wußten nicht Bescheid, da auch in deren Dienstanweisungen die Mh.6 als Triebfahrzeug für diesen Zug aufschien. Gleichzeitig sorgte diese Tatsache auch für Skepsis, denn die kleine Lok sollte immerhin vier Sitzwagen, einen Dienstwagen sowie das Jausenstüberl nach Mariazell ziehen, zusammen mit den Fahrgästen also eine Belastung von etwa 50 Tonnen. Diese Skepsis sollte sich später bestätigen, gab es doch bereits auf der Talstrecke kleinere Probleme, wobei nicht nur die Lok, sondern auch deren Besatzung gelegentlich etwas überfordert schien.

In Kirchberg an der Pielach gab es einen längeren Aufenthalt, der nicht nur zum Wasserfassen, Überholen und Kreuzen genutzt wurde, sondern auch die Möglichkeit bot, die Modellbahn – Anlage zu besichtigen, was auch von zahlreichen Fahrtteilnehmern in Anspruch genommen wurde.

298.56 in Laubenbachmühle, Martin Geyer
In Laubenbachmühle wurde wieder Wasser genommen, ehe die Bergstrecke in Angriff genommen wurde. Hatte es bis hierher einige teils gut, teils weniger gut gewählte Fotohalte gegeben, war es damit ab sofort vorbei, denn einerseits hatte der Zug bereits eine Viertelstunde Verspätung gemacht und zweitens gab es noch vor der Talkehrschleife, also noch vor der großen Steigung, ernsthafte Traktionsprobleme.

Die steilsten Stücke wurden schließlich zum Fiasko im Schrittempo, mehrmals blieb der Zug liegen, während der Dampf beim Überdruckventil entwich, der dann wiederum zum Fahren fehlte. Aber irgendwie gelang es der Lokmannschaft doch immer wieder, den Zug in Bewegung zu setzten. Zum Glück herrschte an diesem Tag Schönwetter, denn bei nassen Schienen hätten wir Mariazell an diesem Tag wohl nicht mehr gesehen...

298.56 in Laubenbachmühle, Martin Geyer
Mit erheblicher Verspätung erreichten wir Puchenstuben. Dieser Bahnhof war besetzt, um die Kreuzung mit dem Planzug zu ermöglichen. Wieder wurden die Wasservorräte ergänzt, ehe sich die Schleuderpartie bis zum Gösingtunnel fortsetzte. Leider konnte man in Gösing keinen Fotohalt einlegen. Um die Verspätung nicht noch weiter anwachsen zu lassen, wurde nur in Annaberg, wieder zum Wasserfassen, angehalten, dann fuhr der Zug bis nach Mariazell durch, wobei sich auf der Zinkenstrecke die Vorkommnisse der Nordrampe wiederholten und der Zug mit letzter Kraft den Kienbachtunnel erreichte. Leider gab es auch bei der Einfahrt in Mariazell, mit der Gemeindealpe als Hintergrund, keinen Fotohalt, obwohl ein solcher ohne weitere Beeinträchtigung des Planverkehrs möglich gewesen wäre.

In Mariazell wurde die Lok auch bekohlt und gewendet, ehe die Rückfahrt angetreten wurde. Nach einem Halt in Annaberg (man glaubt es kaum, zum Wasserfassen!) und einer erstaunlich problemlosen Bergfahrt über die Südrampe, gab es auch einen Aufenthalt mit Vorbeifahrt und Kreuzung in Gösing. Leider war am Nachmittag die Lok mit dem Ötscher im Hintergrund nur bei starkem Gegenlicht zu fotografieren.

Auf der Talstrecke gab es schließlich noch einige Fotohalte, ehe der Zug halbwegs pünktlich nach Ober Grafendorf zurückkehrte, wo im Heizhaus noch eine kleine Lokparade organisiert wurde.

Abschließend kann gesagt werden, daß dem Publikum eine Fahrt geboten wurde, die - zwar teilweise unfreiwillig - dem Produkttitel ErlebnisBahn voll gerecht wurde, wobei es trotz der auf der Bergstrecke gestrichenen Fotohalte viele Fotomöglichkeiten gab, die jedoch deutlich gezeigt hat, warum die NÖLB bald nach Betriebsaufnahme der MzB eine sechsachsige Elektrolokomotive beschafften!
Martin Geyer

Mariazellerbahn extrem
Jausenstüberl, Harald Meidl
Gleich zu Beginn gesagt, es war ein ganz toller Ausflug, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Als der Dampfzug im Bahnhof Obergrafendorf einfuhr, war mir klar, dass diese Fahrt sehr abenteuerlich werden wird. Den Zug zog nicht die "große" Mh.6, sondern die kleine "298.56".

Nun gut, um ca. 8.00 Uhr dampft der kleine Zug mit der 298.56 und 6 zweiachsigen Wagen los. Ich hatte das Glück im letzten Wagon zu sein. Ich konnte von Beginn an die gesamte Fahrt praktisch im Freien auf der Plattform des letzten Wagons mit dem bestmöglichen Panoramablick genießen. Das Wetter war sehr heiß, somit war der kühle Fahrtwind ein Genuss.

Der Zug war zwar voll, aber man hatte genug Platz, es gab keine Dränglerei.

Als Fotomotiv war der Dampfzug nur sekundär. Unter den Fahrgästen waren zwei japanische Eisenbahnliebhaber, welche alle Blicke auf sich zogen. Die beiden wurden mit den regionalen Köstlichkeiten des Buffets bzw. mit geistigen Getränken nur so überhäuft.

Wasserfassen in Puchenstuben, Harald Meidl
Nun kam die Nordrampe. Ab hier musste der Lokführer Schwerstarbeit leisten. Die Fahrtgeschwindigkeit reduzierte sich zunehmend auf Schritt-Tempo. Mit sich ständig durchdrehenden Rädern quälte sich die Lokomotive mit ihren Wagons den Berg hinauf. Mehrmals drohte der Zug stehenzubleiben, bis es letztendlich soweit war. Hier schossen einem nur mehr Gedanken durch den Kopf wie "müssen wird nun zurückschieben", "warten wir auf eine zweite Lok, die uns anschiebt", oder "müssen wir alle aussteigen und selber anschieben". Doch nach einigen Minuten setze sich der Zug wieder in Bewegung. Der Lokführer muss wohl sehr tief in die Trickkiste gegraben haben. Diese Stops fanden bis zur Zinkenschlucht noch öfters statt.

Den 2.300 m langen Gösingtunnel durchquerten wir in völliger Dunkelheit. Für den letzten Wagon reichte scheinbar nicht mehr die Stromversorgung.

Neben dem Barwagen machte zwischendurch auch immer wieder ein kleines Bordservice die Runde. Es bot Kaffee, Getränke und Souvenirs. Mir fiel ein Bahn-Kalender auf, doch ich war zu spät. Die nette Verkäuferin teilte mir entsetzt mit: "Ich habe keine mehr, die Japaner haben alle aufgekauft", naja vielleicht beim nächsten Mal.

298.56 auf der Drehscheibe in Mariazell, Harald Meidl
Nun, ca. 5 ½ Stunden, nachdem ich in St. Pölten den Zug bestiegen hatte, trafen wir streng nach dem Motto: DER WEG IST DAS ZIEL in Mariazell ein und ich muss zugeben, es war keine Minute langweilig.

Nach 1½ Stunden Aufenthalt ging es wieder retour. Diesmal im Wagon direkt hinter der Dampflok. Der Wagon war wieder unbeleuchtet, so konnte man in den Tunnels das schaurig schöne Schauspiel eines Funkenregens beobachten, welcher sich durch die offene Tür in den Wagon ausbreitete. Und so dampfte der Zug ohne größere Probleme wieder zurück nach Obergrafendorf.

Wer den Komfort liebt, sollte von so einer Fahrt besser Abstand halten. Wer jedoch einen Dampfzug pur erleben möchte, dem kann ich so eine Fahrt wirklich empfehlen. Das hier Gebotene kann in seiner Abenteuerhaftigkeit, wie den Besuch eines Themenparks, kaum übertroffen werden.
Harald Meidl

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