Am 15. August veranstaltete die ÖBB Erlebnisbahn eine Fotofahrt mit Dampflok nach Mariazell.
Nun, wie wir alle wissen, lassen sich auch Nicht – Dampfzüge bei einem entsprechenden Angebot füllen,
da ich aber in den letzten beiden Jahren sicher mehr als zehnmal elektrisch, aber noch nie mit Dampf nach Mariazell
fuhr und außerdem seit kurzem zu den Fotografen gehöre, wollte ich mir diese Fahrt nicht entgehen
lassen.
Die Fahrt begann in St. Pölten mit verwirrten Fahrgästen, die nicht wußten, dass der Sonderzug erst
ab Ober Grafendorf verkehrte, und diesen daher am Hauptbahnhof suchten. Erst nach Anfragen mehrerer Personen in der
Fahrdienstleitung bequemte man sich zu einer entsprechenden Durchsage, wonach bis Ober Grafendorf der
Planzug 6807 zu benützen sei.
In Ober Grafendorf angekommen, mußten die etwa 100 Fahrgäste, darunter auch einige Freunde der MzB,
noch einige Minuten warten, ehe die Garnitur aufgestellt wurde. Einige Fahrgäste waren überrascht,
daß anstelle der ursprünglich angekündigten Mh 6 die 298.56 des Clubs 760 auftauchte.
Diese Bespannung war zwar im Internet angekündigt, aber selbst die Eisenbahner an der MzB wußten nicht
Bescheid, da auch in deren Dienstanweisungen die Mh.6 als Triebfahrzeug für diesen Zug aufschien. Gleichzeitig
sorgte diese Tatsache auch für Skepsis, denn die kleine Lok sollte immerhin vier Sitzwagen, einen Dienstwagen
sowie das Jausenstüberl nach Mariazell ziehen, zusammen mit den Fahrgästen also eine Belastung von etwa
50 Tonnen. Diese Skepsis sollte sich später bestätigen, gab es doch bereits auf der Talstrecke kleinere
Probleme, wobei nicht nur die Lok, sondern auch deren Besatzung gelegentlich etwas überfordert schien.
In Kirchberg an der Pielach gab es einen längeren Aufenthalt, der nicht nur zum Wasserfassen, Überholen und
Kreuzen genutzt wurde, sondern auch die Möglichkeit bot, die Modellbahn – Anlage zu besichtigen, was auch von
zahlreichen Fahrtteilnehmern in Anspruch genommen wurde.
In Laubenbachmühle wurde wieder Wasser genommen, ehe die Bergstrecke in Angriff genommen wurde. Hatte es bis
hierher einige teils gut, teils weniger gut gewählte Fotohalte gegeben, war es damit ab sofort vorbei, denn
einerseits hatte der Zug bereits eine Viertelstunde Verspätung gemacht und zweitens gab es noch vor der
Talkehrschleife, also noch vor der großen Steigung, ernsthafte Traktionsprobleme.
Die steilsten Stücke wurden schließlich zum Fiasko im Schrittempo, mehrmals blieb der Zug liegen,
während der Dampf beim Überdruckventil entwich, der dann wiederum zum Fahren fehlte. Aber irgendwie
gelang es der Lokmannschaft doch immer wieder, den Zug in Bewegung zu setzten. Zum Glück herrschte an diesem Tag
Schönwetter, denn bei nassen Schienen hätten wir Mariazell an diesem Tag wohl nicht mehr
gesehen...
Mit erheblicher Verspätung erreichten wir Puchenstuben. Dieser Bahnhof war besetzt, um die Kreuzung mit dem
Planzug zu ermöglichen. Wieder wurden die Wasservorräte ergänzt, ehe sich die Schleuderpartie bis
zum Gösingtunnel fortsetzte. Leider konnte man in Gösing keinen Fotohalt einlegen. Um die Verspätung
nicht noch weiter anwachsen zu lassen, wurde nur in Annaberg, wieder zum Wasserfassen, angehalten, dann fuhr der Zug
bis nach Mariazell durch, wobei sich auf der Zinkenstrecke die Vorkommnisse der Nordrampe wiederholten und der Zug
mit letzter Kraft den Kienbachtunnel erreichte. Leider gab es auch bei der Einfahrt in Mariazell, mit der
Gemeindealpe als Hintergrund, keinen Fotohalt, obwohl ein solcher ohne weitere Beeinträchtigung des Planverkehrs
möglich gewesen wäre.
In Mariazell wurde die Lok auch bekohlt und gewendet, ehe die Rückfahrt angetreten wurde. Nach einem Halt in
Annaberg (man glaubt es kaum, zum Wasserfassen!) und einer erstaunlich problemlosen Bergfahrt über die
Südrampe, gab es auch einen Aufenthalt mit Vorbeifahrt und Kreuzung in Gösing. Leider war am Nachmittag die
Lok mit dem Ötscher im Hintergrund nur bei starkem Gegenlicht zu fotografieren.
Auf der Talstrecke gab es schließlich noch einige Fotohalte, ehe der Zug halbwegs pünktlich nach Ober
Grafendorf zurückkehrte, wo im Heizhaus noch eine kleine Lokparade organisiert wurde.
Abschließend kann gesagt werden, daß dem Publikum eine Fahrt geboten wurde, die - zwar teilweise
unfreiwillig - dem Produkttitel ErlebnisBahn voll gerecht wurde, wobei es trotz der auf der Bergstrecke gestrichenen
Fotohalte viele Fotomöglichkeiten gab, die jedoch deutlich gezeigt hat, warum die NÖLB bald nach
Betriebsaufnahme der MzB eine sechsachsige Elektrolokomotive beschafften!
Martin Geyer |